Jg. 60, S. 65; Ausgabe 09 / 2026
Was tun, wenn Patienten mit Vorhofflimmern (Vofli) trotz eines korrekt eingenommenen Antikoagulans einen ischämischen Schlaganfall erleiden? Die europäischen und US-amerikanischen Schlaganfall-Leitlinien gehen auf diese klinisch schwierige Situation bislang nur begrenzt ein. Kanadische Leitlinien empfehlen eine systematische Prüfung von Adhärenz, Dosierung, relevanten Arzneimittelinteraktionen, anderen Schlaganfallursachen und vaskulären Risikofaktoren. Bei Patienten, die ein direktes orales Antikoagulans (DOAK) [...]
Jg. 60, S. 68; Ausgabe 09 / 2026
Angststörungen gehören zu den häufigen psychischen Erkrankungen; sie können die Lebensqualität stark beeinträchtigen und führen zu häufigen Arztkontakten. Wir haben mehrfach darüber berichtet . Von den > 60-Jährigen sollen bis zu 17% betroffen sein , doch wurden bei den meisten Studien zur Therapie von Angsterkrankungen Personen > 65 Jahre ausgeschlossen. Zwei Reviews von 2007 und 2012 zum Nutzen [...]
Jg. 60, S. 69; Ausgabe 09 / 2026
Die palmaren und plantaren Hyperhidrosen zählen zu den fokalen Hyperhidrosen (fH), wie auch die axillären und kraniofazialen Formen. Ursache ist eine Fehlfunktion der ekkrinen Schweißdrüsen. Diese sind besonders zahlreich an Handflächen und Fußsohlen. Im Gegensatz zu apokrinen und apoekkrinen Schweißdrüsen, die einen eiweißreichen Schweiß sezernieren und zum individuellen Körpergeruch beitragen (Duftdrüsen), produzieren ekkrine Drüsen einen [...]
Jg. 60, S. 71; Ausgabe 09 / 2026
Teplizumab ist ein humanisierter monoklonaler Anti-CD3-Antikörper. Durch die Bindung an CD3 verändert er die Aktivität von T-Lymphozyten und beeinflusst sowohl CD4+- als auch CD8+-T-Zellen. Dadurch soll die T-Zell-vermittelte Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen beim Typ-1-Diabetes (TD1) verlangsamt werden. Während der 14-tägigen Behandlung nehmen vorübergehend die zirkulierenden T-Lymphozyten ab mit einem Nadir etwa am 5. Behandlungstag; anschließend erholen [...]
Jg. 60, S. 72; Ausgabe 09 / 2026
Eine aufmerksame Leserin hat uns auf zwei Fehler in unserem Artikel „Update zur Behandlung von Personen mit manifester Osteoporose und hohem Frakturrisiko“ hingewiesen (AMB 2026, 60, 57). Die Jahrestherapiekosten für 70 mg Alendronat sind in Deutschland niedriger als wir angegeben haben (ca. 200 €). Die aktuellen Kosten betragen derzeit 121,90 € pro Jahr. Außerdem gibt [...]
Jg. 60, S. 72DB01; Ausgabe 09 / 2026
IgG-Autoantikörper sind die zugrundeliegende pathogenetische Ursache für die generalisierte Myasthenia gravis (gMG), da sie die neuromuskuläre Übertragung durch Bindung an den Acetylcholinrezeptor (AChR), die muskelspezifische Tyrosinkinase (MuSK) oder das Lipoproteinrezeptor-verwandte Protein 4 (LRP4) beeinträchtigen . Etwa 95% der Patienten mit gMG sind antikörperpositiv: 85% gegen AChR, etwa 8% gegen MuSK und etwa 1-2% gegen das LRP4 [...]
Jg. 60, S. 57; Ausgabe 08 / 2026
Die Osteoporose ist eine chronisch progrediente Skeletterkrankung, deren strukturelle Knochenschäden – Verlust von Knochenmasse und stabilitätsvermindernde Veränderungen der Mikroarchitektur (Rarefizierung der Spongiosa) – zu belastungsinadäquaten Frakturen führen und durch nicht-medikamentöse Maßnahmen nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Eine wirksame Behandlung (Möglichkeiten vgl. Tab. 1) muss wegen des relativ langsamen Knochenstoffwechsels langfristig ausgerichtet sein und das individuelle Frakturrisiko [...]
Jg. 60, S. 60; Ausgabe 08 / 2026
Mit Enlicitid (Lipfendra® in den USA; MSD) wurde erstmals ein oral einzunehmender PCSK9-Inhibitor zur Behandlung der „Hypercholesterinämie, einschließlich der heterozygoten familiären Hypercholesterinämie (HeFH)“ von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) zugelassen . Enlicitid könnte insofern ein Fortschritt in der lipidsenkenden Therapie sein, da bislang verfügbare PCSK9-Inhibitoren subkutan injiziert werden müssen (Alirocumab und Evolocumab alle [...]
Jg. 60, S. 61; Ausgabe 08 / 2026
Die Hepatitis B (HBV) ist eine ernste chronische Virusinfektion. Sie betrifft weltweit etwa 240 Millionen Menschen und verursacht jährlich mehr als eine Million Todesfälle . Personen mit chronischer HBV-Infektion haben oft eine verminderte Lebensqualität und müssen zur Kontrolle der Infektion lebenslang Medikamente einnehmen. Bei Menschen, die keinen Zugang zu diesen Medikamenten haben, kann die unkontrollierte Infektion zur [...]
Jg. 60, S. 62; Ausgabe 08 / 2026
Avacopan (Tavneos®, Zulassungsinhaber Vifor Pharma) wurde 2022 in der EU für die Behandlung von Erwachsenen mit schwerer, aktiver Granulomatose mit Polyangiitis (GPA) oder mikroskopischer Polyangiitis (MPA) auf Basis der ADVOCATE-Studie zugelassen . In der ADVOCATE-Studie, in die 331 Patienten mit GPA oder MPA eingeschlossen wurden, wurde Avacopan mit Prednison über 52 Wochen verglichen, jeweils zusätzlich zur Standardbehandlung: [...]
Jg. 60, S. 63; Ausgabe 08 / 2026
Die IgG4-assoziierten Krankheiten sind klinisch eine Gruppe seltener, chronischer, immunvermittelter, fibro-inflammatorischer Systemkrankheiten, die praktisch jedes Organ betreffen können , . Die Inzidenz beträgt 5,3 pro 100.000 Personen. Auch die Retroperitonealfibrose (Morbus Ormond) ist hier einzuordnen (50-60% dieser Patienten), bei der durch starke Vermehrung von Bindegewebe die Harnleiter und renalen Blutgefäße einengt werden können. Neben erhöhten IgG4-Spiegeln [...]
Jg. 60, S. 64DB01; Ausgabe 08 / 2026
In unseren Gesundheitssystemen werden zu viele Untersuchungen durchgeführt, zu viele Medikamente verordnet und zu häufig operiert. Genaue Zahlen hierzu sind nicht bekannt, aber 70% der deutschen Ärztinnen und Ärzte geben an, mehrfach täglich oder wöchentlich überflüssige medizinische Leistungen zu beobachten. Kolleginnen und Kollegen aus Bayern schätzten, dass vier von zehn medizinischen Leistungen wenig bis keinen [...]
Jg. 60, S. 49; Ausgabe 07 / 2026
Infektionen der unteren Harnwege (HWI, Zystitiden) sind bei Frauen häufig; etwa 10% erkranken einmal pro Jahr daran . Wirksame Prophylaxen sind u.a. eine größere Trink(Urin)menge und eine sorgfältige Hygiene im Intimbereich (vgl. ). Die aktuelle Leitlinie nimmt zu zahlreichen Ursachen und Verhaltensmaßnahmen bei rezidivierenden HWI Stellung . Für die antibiotische Therapie bei unkomplizierten HWI, also solchen, [...]
Jg. 60, S. 51; Ausgabe 07 / 2026
Im März wurde im N. Engl. J. Med. eine Studie zu Zielwerten für das LDL-Cholesterin veröffentlicht, die wir schon mehrfach gefordert haben. Wissenschaftler aus Südkorea haben nun in der offen durchgeführten Ez-PAVE-Studie zwei Zielwerte für das LDL-Cholesterin bei Patienten mit manifester atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Krankheit verglichen: < 55 mg/dl (1,4 mmol/l) vs. < 70 mg/dl (1,8 mmol/l). Der niedrigere Zielwert wird von der [...]
Jg. 60, S. 53; Ausgabe 07 / 2026
Das posturale orthostatische Tachykardiesyndrom (POTS) ist eine Störung des autonomen Nervensystems und zählt zu den Dysautonomien bzw. Syndromen mit orthostatischer Intoleranz. Charakteristisch für ein POTS ist der übermäßige Anstieg der Herzfrequenz um > 30/min innerhalb von 10 Minuten nach dem Aufstehen ohne relevanten Blutdruckabfall. Dies kann mit einem aktiven Stehtest (Schellong-Test) diagnostiziert werden oder genauer und besser [...]