Aktuelle Ausgabe Jahrgang 56, Nr. 9, September 2022

Neue, unabhängige Empfehlungen zur kardiovaskulären Primärprävention mit Statinen aus den USA [CME]

Die „US Preventive Services Task Force“ (USPSTF) ist ein unabhängiges Gremium nationaler Expertinnen und Experten für die Primärprävention . Die Mitglieder rekrutieren sich u.a. aus den Bereichen Innere Medizin, Familienmedizin, Pädiatrie, Krankenpflege, Epidemiologie, Medizinstatistik und Ökonomie. Die USPSTF untersteht dem Gesundheitsministerium und soll für die US-amerikanische Bevölkerung evidenzbasierte Empfehlungen zu Vorsorgeuntersuchungen, medizinischen Beratungen und präventiv […]

Exazerbierte COPD: Wie kann der Antibiotika-Verbrauch reduziert werden? [CME]

Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) sind eine häufige Ursache für Arztbesuche, Krankenhauseinweisungen und Tod. Die genaue Zahl der Erkrankten in Deutschland ist nicht bekannt, aber laut WHO ist die COPD weltweit an 4. Stelle der Erkrankungen, die die meisten Todesfälle nach sich ziehen, und an 6. Stelle in Deutschland . Für eine akute Verschlechterung (Exazerbation) der COPD können […]

Antibiotika bei COPD: Kürzere Behandlungsdauer ist nicht unterlegen

Bei akut exazerbierter COPD wird eine Antibiotikatherapie in klinischen Leitlinien nur für die Patientinnen und Patienten empfohlen, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer bakteriellen Infektion hoch ist oder die schwer erkrankt sind (, vgl. , ). Als Mittel der Wahl gilt in Deutschland im Regelfall Amoxicillin oder Amoxicillin/Clavulansäure . Alternativ können bei mittelgradigen Exazerbationen Makrolide oder Doxycyclin, und […]

Altersabhängige Wirksamkeit von Nirmatrelvir hinsichtlich des Auftretens schwerer Verläufe von COVID-19 während der Omikron-Welle [CME]

Wir hatten im Februar 2022 bereits über Paxlovid®, einen mit Ritonavir „geboosterten“ Proteaseinhibitor (Nirmatrelvir) berichtet. Er reduzierte in einer damals noch nicht publizierten klinischen Studie bei nicht hospitalisierten, ungeimpften Patienten mit COVID-19 – noch ohne schwere Symptome, aber mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf der Infektion – nach Einnahme über 5 Tage (300 mg Nirmatrelvir zweimal […]

Dapagliflozin zur Behandlung von Patienten mit Herzinsuffizienz bei erhaltener Pumpfunktion (HFpEF) – die DELIVER-Studie [CME]

Wir haben bereits mehrfach darüber berichtet, wie schwierig es ist, Patienten mit Herzinsuffizienz und erhaltener linksventrikulärer Pumpfunktion (HFpEF) medikamentös zufriedenstellend zu behandeln (vgl. ) und in diesem Zusammenhang auch erste positive Ergebnisse aus Studien mit Inhibitoren des Sodium-Glucose Cotransporters 2 (SGLT2) in dieser Indikation referiert (vgl. ). In der EMPEROR-Preserved-Studie kam es unter Behandlung mit dem Wirkstoff Empagliflozin […]

Auch Paracetamol kann den Blutdruck steigern. Die PATH-BP-Studie

Von nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID) ist gut bekannt, dass sie über mehrere Mechanismen den systemischen Blutdruck erhöhen bzw. die Wirkung von Antihypertensiva abschwächen können , . Paracetamol gilt in dieser Hinsicht als kardiovaskulär vergleichsweise risikoärmeres Schmerzmittel, ist aber unzureichend untersucht: Es gibt zahlreiche Beobachtungsstudien (s.u.) sowie statistisch nicht ausreichend „gepowerte“ Interventionsstudien mit widersprüchlichen Ergebnissen . Ob diese […]

Empfehlung der Redaktion

Sind die sechs weltweit führenden Zulassungsbehörden für Arzneimittel finanziell unabhängig von pharmazeutischen Unternehmern, deren Produkte sie beurteilen?

Eine investigative Journalistin, Maryanne Demasi, hat für das „British Medical Journal“ (BMJ) eine Untersuchung durchgeführt, die sich mit der Frage der Unabhängigkeit von sechs weltweit führenden Zulassungsbehörden für Arzneimittel von pharmazeutischen Unternehmern (pU) beschäftigt (). Das BMJ befragte zu diesem Zweck folgende sechs Arzneimittelzulassungsbehörden: „Therapeutic Goods Administration“ (TGA; Australien); „European Medicines Agency“ (EMA, Europa); „Medicines […]

Aktuelle Zuschriften

Leserbrief: Antihypertensive Wirksamkeit der verschiedenen Diuretika [CME]

Frage von Dr. S. aus W.: >> Gibt es Unterschiede in der antihypertensiven Wirkung bei den verschiedenen Diuretika (Schleifendiuretika, Thiazide, Chlortalidon)? << Antwort: >> Diuretika zählen zu den Antihypertensiva der ersten Wahl bei der Behandlung der primären arteriellen Hypertonie bei Erwachsenen. Die Wahl des ersten Medikaments richtet sich in erster Linie nach den Komorbiditäten und dem „Phänotyp“ der […]

Leserbrief: Blutlipide und Verminderung des Arteriosklerose­risikos [CME]

Dr. G. aus K. schreibt: >> Dankenswerterweise beschäftigen Sie sich im ARZNEIMITTELBRIEF vom Mai 2022 noch einmal mit der Wertigkeit der Therapie der Hypercholesterinämie mit Ezetimib und/oder der Proproteinkonvertase (PCSK9)-Inhibitoren als Zusatz- oder als alleinige Therapie bei Statin-Intoleranz. Erlauben Sie mir hierzu einige Bemerkungen: Dass Ezetimib und PCSK9-Inhibitoren bei mit Statinen vorbehandelten Patienten einen nur geringen […]

Meistgelesene Artikel

Hypercholesterinämie: Zusatzbehandlung mit Ezetimib oder PCSK9-Hemmern zu Statinen. Neue Therapieempfehlungen ohne Interessenkonflikte [CME]

Eine Vielzahl von Leitlinien beschäftigt sich mit der medikamentösen Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen. Die Empfehlungen hinsichtlich der Therapieziele und des sequenziellen Einsatzes verschiedener Lipidsenker sind trotz gleicher Datenbasis uneinheitlich. Dies ist nach unserer Einschätzung auch Folge der Interessenkonflikte der Autoren, die Leitlinien verfassen bzw. ihrer herausgebenden Institutionen. Diese Verflechtung führt zu großem Misstrauen und Unmut gegenüber […]

Ist die kardiale Amyloidose ein „Orphan disease“ oder eine Volkskrankheit? [CME]

Amyloidosen zählen zu den „protein misfolding diseases“. Bei diesen lagern sich fehlgefaltete Proteine als unlösliche Fibrillen im Interstitium verschiedener Organe und Gewebe ab und verursachen dort Fehlfunktionen. Rudolf Virchow fand die weißlichen Ablagerungen Mitte des 19. Jahrhunderts in Leber, Nieren und Milz und interpretierte sie auf Grund ihres mikroskopischen Färbeverhaltens als Stärke (altgriechisch: „amylon“). Die […]

Primär antidepressive Kombinationstherapie bei schwerer Depression? [CME]

Für die Behandlung von Depressionen stehen zahlreiche Antidepressiva (AD) verschiedener Wirkstoffklassen zur Verfügung (s. Tab. 1, vgl. ). Diese greifen u.a. in den Stoffwechsel wichtiger Neurotransmitter im Gehirn (Serotonin, Noradrenalin und Dopamin) ein, entweder durch Hemmung des Enzyms Monoaminoxidase (MAO-Inhibitoren = MAO-I), das für den Abbau dieser biogenen Amine zuständig ist, oder durch Hemmung der Wiederaufnahme von Serotonin […]

„Time at target“: ein prognostischer Parameter für die protektive Wirksamkeit antihypertensiver Therapien? [CME]

Empfehlungen für Ziel-Blutdruckwerte in Leitlinien zur antihypertensiven Therapie resultieren meistens aus Studien, bei denen die am Ende der Interventionszeit gemessenen RR-Werte in die Analyse eingegangen sind . Grundsätzlich schränken jedoch erhebliche RR-Schwankungen im Tagesverlauf und psychische Einflüsse auf den RR den Aussagewert von Einzelmessungen ein, vor allem wenn sie, wie häufig im Praxisalltag, nur einmal […]

Leserbrief: Blutlipide und Verminderung des Arteriosklerose­risikos [CME]

Dr. G. aus K. schreibt: >> Dankenswerterweise beschäftigen Sie sich im ARZNEIMITTELBRIEF vom Mai 2022 noch einmal mit der Wertigkeit der Therapie der Hypercholesterinämie mit Ezetimib und/oder der Proproteinkonvertase (PCSK9)-Inhibitoren als Zusatz- oder als alleinige Therapie bei Statin-Intoleranz. Erlauben Sie mir hierzu einige Bemerkungen: Dass Ezetimib und PCSK9-Inhibitoren bei mit Statinen vorbehandelten Patienten einen nur geringen […]

Tirzepatid in der Therapie von Diabetes mellitus und Adipositas [CME]

Wir haben im März 2021 über neue Entwicklungen in der medikamentösen Behandlung der Adipositas berichtet . Anlass hierfür waren u.a. randomisierte, kontrollierte Studien (RCT) mit den sog. Glucagon-like-peptide-1-Agonisten (GLP-1-A). Diese als Antidiabetika entwickelten Wirkstoffe verbessern nicht nur die Blutzuckerkontrolle und senken die kardiovaskuläre Morbidität, sondern senken auch das Körpergewicht deutlich, auch bei Personen ohne Diabetes […]

Fischöl sehr wahrscheinlich nicht protektiv wirksam bei kardiovaskulären Krankheiten [CME]

Wir haben vor 4 Jahren über das erstaunliche und in der Folge viel diskutierte Ergebnis der REDUCE-IT-Studie () berichtet. In ihr wurde eine 25%ige Reduktion des relativen Risikos (RRR) für schwere kardiovaskuläre Ereignisse durch eine chemisch veränderte Omega-3-Fettsäure (Eicosapentaensäure-Ethylester = EPA) in hoher Dosierung (4 g/d) gefunden (). Auf Basis dieser Daten ist seit März […]

Idiopathische Lungenfibrose – ein neuer Therapieansatz [CME]

In Deutschland leben ca. 100.000 Patienten mit Lungenfi­brose (Übersicht bei 1). Im Prinzip wird bei dieser Krankheitsgruppe funktionelles Lungengewebe durch Bindegewebe ersetzt. Dieser Prozess dauert meist Jahre bis Jahrzehnte, wobei eine Vielzahl von Grunderkrankungen zu einer Lungenfibrose führen können (). Die idiopathische Form (Idiopathische Lungenfibrose = IPF) ist besonders rasch progredient, irreversibel und hat eine beträchtliche Letalität […]

Asymptomatische Hyperurikämie: medikamentös behandeln oder nicht? [CME]

Definition: Eine allgemein gültige Definition der Hyperurikämie gibt es nicht, doch werden Harnsäurewerte im Serum von ≥ 7 mg/l (416 µmol/l) bei Männern und > 6 mg/dl (> 360 µmol/l) bei Frauen – gemessen mit der Uricase-Methode – in den meisten Publikationen als Referenzwerte akzeptiert . Diese Grenzen orientieren sich nicht primär an epidemiologisch gewonnenen Serumwerten (sie folgen keiner Normalverteilung in der […]

Entstigmatisierung der Menopause – ein besseres Konzept als die von Interessen geleitete Propagierung einer Hormontherapie [CME]

Menopause bezeichnet korrekt die letzte Menstruation. Im Alltag wird darunter aber eher ein Zeitraum verstanden, der mit unregelmäßigen Menstruationszyklen beginnt und ein Jahr nach der letzten Menstruation endet. Die Menopause wird häufig von vasomotorischen Symptomen begleitet, wie anfallsartige Hitzewellen, Nachtschweiß, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen sowie Muskel- oder Gelenkschmerzen. Die einzelnen Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und […]

Warnung vor Atemdepression unter Gabapentin und Pregabalin und Missbrauch

Im Dezember 2019 hat die US-amerikanische Arzneimittelbehörde (FDA) vor klinisch bedeutsamen Atemdepressionen unter einer Behandlung mit Gabapentinoiden (Gabapentin, Pregabalin) gewarnt. Die Warnung bezog sich auf die Anwendungen bei Menschen im höheren Lebensalter, mit chronischen Lungenerkrankungen und einer Begleitmedikation mit ZNS-depressiven Medikamenten, besonders Opioide und Benzodiazepine (). Seit 2019 stehen Gabapentin und Pregabalin auch auf der […]

Acetylsalicylsäure zur kardiovaskulären Primärprävention in aktuellen US-Empfehlungen weiter zurückgestuft [CME]

Ein aktuell publiziertes “Systematisches Review“ und „Recommendation Statement” der „US Preventive Services Task Force“ (USPSTF) befasst sich mit Acetylsalicylsäure (ASS) in der kardiovaskulären Primärprävention . Auf Basis eines systematischen Reviews von 11 Studien mit insgesamt 134.470 Patienten verwendeten die Autoren ein sogenanntes Mikrosimulationsmodell, i.e. eine computergestützte Simulation zur hoch detaillierten Analyse bevorstehender Maßnahmen, um aus den gepoolten […]

Eine Supplementierung von Kalzium muss streng indiziert sein, besonders bei kardiovaskulären Risikopatienten [CME]

Wir haben 2008 über eine Metaanalyse zu oralen Kalzium-Supplementen im Rahmen der Osteoporosetherapie berichtet. Aus dieser ergaben sich Hinweise darauf, dass eine langdauernde Kalzium-Supplementierung mit einem höheren Risiko für Myokardinfarkte assoziiert ist. Wir schlussfolgerten damals: „Da diese Supplemente osteoporotische Frakturen allenfalls marginal verhindern und die erhöhte Letalität bei Osteoporose nicht gesenkt wird, muss diese „Basistherapie” […]

Sind die sechs weltweit führenden Zulassungsbehörden für Arzneimittel finanziell unabhängig von pharmazeutischen Unternehmern, deren Produkte sie beurteilen?

Eine investigative Journalistin, Maryanne Demasi, hat für das „British Medical Journal“ (BMJ) eine Untersuchung durchgeführt, die sich mit der Frage der Unabhängigkeit von sechs weltweit führenden Zulassungsbehörden für Arzneimittel von pharmazeutischen Unternehmern (pU) beschäftigt (). Das BMJ befragte zu diesem Zweck folgende sechs Arzneimittelzulassungsbehörden: „Therapeutic Goods Administration“ (TGA; Australien); „European Medicines Agency“ (EMA, Europa); „Medicines […]

Leserbrief: Antihypertensive Wirksamkeit der verschiedenen Diuretika [CME]

Frage von Dr. S. aus W.: >> Gibt es Unterschiede in der antihypertensiven Wirkung bei den verschiedenen Diuretika (Schleifendiuretika, Thiazide, Chlortalidon)? << Antwort: >> Diuretika zählen zu den Antihypertensiva der ersten Wahl bei der Behandlung der primären arteriellen Hypertonie bei Erwachsenen. Die Wahl des ersten Medikaments richtet sich in erster Linie nach den Komorbiditäten und dem „Phänotyp“ der […]