Zu unserem Artikel „Notfall Klima: Übernehmen wir endlich Verantwortung und handeln, jetzt!“ (AMB 2024, 58, 40DB01) haben uns mehrere Zuschriften erreicht. Exemplarisch wollen wir eine davon abdrucken.
Dr. B. schreibt: >> Ich bin seit etwa 1990 Abonnent und schätze den bisher unbestechlichen und unbedingten wissenschaftlichen Ansatz Ihres Blattes. Vor diesem Hintergrund bin ich irritiert über den moralischen Impetus des Klimaartikels in Gestalt des Kapitels „Leugnen und Relativieren“. Wenn dieses Thema mit durchaus gutem Grund von Ihnen aufgegriffen wird, dann erwarte ich auch und ganz besonders bei diesem wichtigen und unstrittigen Thema eine nüchterne und saubere wissenschaftliche Analyse zur Frage, welche Methoden geeignet sind, dem Klimawandel effizient zu begegnen. Andere Vorschläge – wie in dem Artikel geschehen – a priori als Scheinlösung zu diskreditieren, betrachte ich als vergleichbar schädliche Desinformation, wie von Ihnen den Lobbyisten – z.T. gewiss nicht gänzlich unberechtigt – vorgeworfen. Ich (..) verbitte mir moralische Appelle – die erhalte ich ja schon in den einschlägigen Nachrichtenmagazinen. Ich erwarte sehr gern konkrete und valide Vorschläge, mit denen ich einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Alles andere ist Politik oder bewegt sich auf dem Niveau von Klimakleberei und hat m.E. nichts im ARZNEIMITTELBRIEF verloren. <<
Antwort: >> Die Kritik nehmen wir sehr ernst. Einen moralischen Impetus wollten wir im ARZNEIMITTELBRIEF nicht geben. Dennoch halten wir zum Nachdenken anregende Beiträge zu wichtigen Themen hin und wieder als gerechtfertigt. Der von Ihnen kritisierte Artikel ist auf unserem Beiblatt erschienen. Dieses haben wir vor einigen Jahren geschaffen, auch um gelegentlich unsere Einschätzung zu gesellschafts-, medizin- und umweltpolitischen Problemen äußern zu können, die zwar nicht direkt in das Gebiet Arzneimitteltherapie fallen, aber gesundheitliche Auswirkungen in der Bevölkerung haben. Insofern war es das Ziel, auf wichtige (Fehl-) Entwicklungen hinzuweisen.
Unser Artikel hat über ein Hauptthema des diesjährigen deutschen Internistenkongresses berichtet. Die Inhalte wurden aus Vorträgen von dort übernommen und sind entsprechend zitiert. Das gilt auch für den Abschnitt „Leugnen und Relativieren“ und den Gedanken zu den Scheinlösungen, die den Transformationsprozess hinauszögern. Diese stammen aus der „key lecture“ des renommierten deutschen Klimaforschers Stefan Rahmsdorf.
Der von Ihnen kritisierte Stil des Artikels ist wohl der Beobachtung des Autors geschuldet, dass in unseren Gesundheitssystemen zu wenige Maßnahmen zu erkennen sind, die gegen die katastrophalen, auch gesundheitlichen Auswirkungen des sich rasch verändernden Klimas wirken können. Auch die „Klimakleberei“ junger Menschen geschieht u.E. nicht primär aus einem „moralischem Impetus“ heraus, sondern aus einem Gefühl von Hilflosigkeit. Solche – illegalen – Aktionen sollen unsere unbekümmerten gesellschaftlichen Verhaltensweisen stören, wie ein Stein im Schuh. In diesem Sinne erlauben Sie uns bitte auch hin und wieder solche – legalen – Störaktionen.