Online-CME für Ärztinnen und Ärzte
Ein erheblicher Teil der 250 Punkte lässt sich heute online
sammeln – zeitlich flexibel, ortsunabhängig und meist kostenlos. Der Preis dafür
steht selten im Kleingedruckten, aber er existiert. Diese Seite ordnet die
Formate, erklärt, worauf bei der Zertifizierung zu achten ist, und stellt die
Frage, die im Fortbildungsalltag selten gestellt wird: Wer bezahlt eigentlich die
kostenlose Fortbildung?
Welche Online-Formate Punkte bringen
Entscheidend ist nicht das Format, sondern zweierlei: Die Fortbildung muss von
einer Ärztekammer zertifiziert sein und eine Lernerfolgskontrolle enthalten. Ohne
Test keine Punkte.
Textkurse und Fachartikel mit Fragebogen – das klassische
Modell der zertifizierten Fachzeitschrift. Beitrag lesen, Multiple-Choice-Test
bestehen, Punkte erhalten. Fällt je nach Ausgestaltung unter Kategorie D oder I.
Interaktive Lernmodule – strukturierte Online-Kurse mit
Fallbeispielen und integriertem Test, häufig tutoriell begleitet (Kategorie I).
Webinare und Online-Vorträge – live oder als Aufzeichnung, mit
anschließender Lernerfolgskontrolle.
Podcasts mit Quiz – das jüngste Format. Einzelne Angebote sind
von Landesärztekammern als Fortbildung anerkannt, meist mit ein bis zwei Punkten
je Folge.
Blended Learning – Kombination aus Online- und
Präsenzanteilen (Kategorie K).
Für alle gilt: Die Zuordnung zur Kategorie und die Punktzahl legt die
zertifizierende Kammer fest. Eine Übersicht aller zehn Kategorien finden Sie im
kompletten
CME-Leitfaden.
Was Online-CME praktisch besser macht
Der zeitliche Vorteil ist offensichtlich, aber nicht der wichtigste. Drei
Punkte wiegen im Alltag schwerer:
Keine Nebenkosten. Bei Präsenzveranstaltungen fallen Reise,
Übernachtung und Ausfallzeit an. Das ist steuerlich absetzbar und wird von vielen
Arbeitgebern budgetiert, ändert aber nichts daran, dass ein Kongress zwei bis drei
Arbeitstage kostet.
Automatische Punktemeldung. Bei Online-Anbietern wird die EFN
einmal im Profil hinterlegt und ist danach bei jedem Modul dabei. Bei
Präsenzveranstaltungen hängt die Meldung an einer Teilnehmerliste und einem
Barcode-Aufkleber – dort entstehen die meisten fehlenden Punkte. Mehr dazu in
unserem Beitrag zu
CME-Punkten bei
der Ärztekammer.
Planbarkeit. Ein Format mit festem Erscheinungsrhythmus lässt
sich als Grundlast einplanen. Kongresse sind punktestark, aber unregelmäßig.
Was Online-CME nicht ersetzt: praktische Kurse. Ultraschall, Notfallmedizin,
interventionelle Verfahren – das funktioniert nur vor Ort. Und der kollegiale
Austausch auf Kongressen hat einen Wert, der sich nicht in Punkten ausdrückt.
Woran Sie ein zertifiziertes Angebot erkennen
Vor der Anmeldung drei Dinge prüfen:
- Welche Ärztekammer zertifiziert? Seriöse Anbieter nennen sie
namentlich. Eine Zertifizierung durch irgendeine Landesärztekammer wird
bundesweit anerkannt. - Gibt es eine Lernerfolgskontrolle? Ohne Test keine Punkte,
unabhängig davon, wie gut der Inhalt ist. - Wird die EFN abgefragt? Wenn nicht, müssen Sie die
Bescheinigung selbst einreichen.
Und eine vierte, die seltener auf Checklisten steht: Wer finanziert das
Angebot?
Die Frage nach der Finanzierung
Ein großer Teil der kostenfreien CME-Angebote in Deutschland wird von
Pharmaunternehmen finanziert. Die etablierten Portale gehen damit offen um – man
erkennt es an Hinweisen wie „mit freundlicher Unterstützung von“ unter den
einzelnen Modulen oder an dem Hinweis, die Teilnahme sei dank Sponsoren
kostenlos.
Das ist zulässig und die Anbieter kennzeichnen es korrekt. Trotzdem lohnt der
Blick auf den Gesetzestext. § 95d SGB V verlangt, dass Fortbildungsinhalte dem
aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse entsprechen und frei
von wirtschaftlichen Interessen sind. Der zweite Halbsatz ist keine
Empfehlung.
Die praktische Frage ist dabei weniger, ob einzelne Inhalte tendenziös sind –
das sind sie meist nicht. Sie ist strukturell: Über welche Indikationen wird
fortgebildet und über welche nicht? Ein Fortbildungsangebot, dessen Themenauswahl
sich danach richtet, wo gerade ein Präparat im Markt ist, bildet ein anderes Bild
der Medizin ab als eines, das sich an der Versorgungsrelevanz orientiert.
Wie Sie das prüfen: Suchen Sie auf der Anbieterseite nach
Angaben zu Sponsoring, Finanzierung oder Interessenkonflikten. Fehlen sie ganz,
ist das aussagekräftiger als jede Selbstbeschreibung.
Die Alternative: abonnementfinanzierte Fortbildung
DER ARZNEIMITTELBRIEF finanziert sich ausschließlich über Abonnements. Keine
Pharmasponsoren, keine Anzeigen, keine Industriebeteiligung an der Themenauswahl.
Als Mitglied der International Society of Drug Bulletins ist diese Unabhängigkeit
nicht nur Selbstverpflichtung, sondern Voraussetzung der Mitgliedschaft.
Praktisch bedeutet das: Sie zahlen für die Fortbildung – und wissen dafür,
warum über ein Thema geschrieben wird.
| Punkte je Ausgabe | 3 |
|---|---|
| Punkte pro Jahr | 36 |
| Format | Fachbeitrag mit 10 Prüfungsfragen, 7 richtige erforderlich |
| Bearbeitungszeit | 6 Wochen ab Erscheinen |
| Zertifiziert durch | Ärztekammer Berlin, seit Januar 2008 |
| Punktemeldung | automatisch über EFN, optional |
| Finanzierung | ausschließlich Abonnements |
Häufige Fragen
Zählen Online-Fortbildungen genauso wie Präsenzveranstaltungen?
Ja, sofern sie von einer Ärztekammer zertifiziert sind und eine
Lernerfolgskontrolle enthalten.
Kann ich alle 250 Punkte online sammeln?
Rein rechnerisch weitgehend, praktisch nicht sinnvoll. Die Punkte müssen aus
verschiedenen Kategorien stammen, und für einzelne Kategorien gelten
Obergrenzen.
Wie viele Punkte bringt ein Online-Modul?
Je nach Umfang und Kategorie meist zwei bis vier Punkte. Die Zahl legt die
zertifizierende Kammer fest.
Sind kostenlose Online-Fortbildungen seriös?
In der Regel ja – die etablierten Portale sind kammerzertifiziert und
kennzeichnen ihre Sponsoren. Die Frage ist weniger die Seriosität als die
Themenauswahl: Wer finanziert, beeinflusst, worüber fortgebildet wird.
Woran erkenne ich, ob ein Anbieter gesponsert ist?
An Hinweisen wie „mit freundlicher Unterstützung von“ bei einzelnen Modulen
oder an Angaben zur Finanzierung im Impressum. Fehlen solche Angaben vollständig,
ist das ein Warnsignal.
Werden meine Online-Punkte automatisch gemeldet?
Ja, wenn Sie Ihre EFN im Profil des Anbieters hinterlegt haben. Sonst erhalten
Sie eine Bescheinigung, die Sie selbst einreichen.
Brauche ich eine bestimmte Software?
Nein. Zertifizierte Online-Fortbildungen laufen im Browser, in der Regel auch
mobil.