Jg. 60, S. 16; Ausgabe 02 / 2026
Frage von Dr. S. aus H.: >> Schon länger fällt mir auf, dass das hiesige Klinikum Tapentadol (Palexia®, Generika) in der Retardform immer dreimal täglich dosiert – unabhängig von der Einzeldosis sowie von Alter und Komorbiditäten der Patienten. Jetzt berichtete meine Kollegin, dass man auf einer Fortbildung explizit empfohlen habe, bei geriatrischen Patienten dieses Arzneimittel [...]
Jg. 59, S. 81; Ausgabe 11 / 2025
Physische und psychische Schmerzen gehören zum Leben. Ein schmerzfreies Leben ist gar nicht möglich. Entsprechend sollte die Vision einer schmerzfreien Gesellschaft nach Ansicht des Salzburger Philosophen Clemens Sedmak als eine Dystopie angesehen werden, also als Gegenteil einer Utopie. Hierzu zitiert er aus Aldous Huxleys „Brave New World“. Dort kommt es zur Begegnung des „Wilden“ John [...]
Jg. 59, S. 38; Ausgabe 05 / 2025
Die Prävalenz von Deliren bei hospitalisierten Patienten steigt mit zunehmendem Alter: sie wird bei den > 64-Jährigen mit 25% und bei den > 85-Jährigen mit bis zu 64% angegeben . Schwere Erkrankungen, chirurgische Eingriffe und invasive Beatmung erhöhen das Risiko. Delire verursachen nicht nur einen höheren Pflegeaufwand und zusätzliche Kosten, sondern sind auch mit einer erhöhten Sterblichkeit [...]
Jg. 58, S. 52; Ausgabe 07 / 2024
Polypharmakotherapie bzw. Multimedikation ist ein großes Dilemma der modernen Medizin (bevorzugte WHO-Definition: gleichzeitiger Gebrauch von fünf oder mehr Arzneimitteln; , ). Sie ist einerseits Folge einer konsequenten Umsetzung evidenzbasierter Empfehlungen, kann aber durch Akkumulation von unerwünschten Wirkungen, Interaktionen und Medikationsfehlern andererseits selbst zu einem beträchtlichen Risiko werden. Beides trifft ganz besonders auf ältere, multimorbide Patienten zu. [...]
Jg. 56, S. 52; Ausgabe 07 / 2022
Im Dezember 2019 hat die US-amerikanische Arzneimittelbehörde (FDA) vor klinisch bedeutsamen Atemdepressionen unter einer Behandlung mit Gabapentinoiden (Gabapentin, Pregabalin) gewarnt. Die Warnung bezog sich auf die Anwendungen bei Menschen im höheren Lebensalter, mit chronischen Lungenerkrankungen und einer Begleitmedikation mit ZNS-depressiven Medikamenten, besonders Opioide und Benzodiazepine (). Seit 2019 stehen Gabapentin und Pregabalin auch auf der [...]
Jg. 54, S. 14; Ausgabe 02 / 2020
Die übermäßige Anwendung und Inanspruchnahme medizinischer Maßnahmen kann Patienten schaden und verschwendet Ressourcen (vgl. 1). Eine US-amerikanische Arbeitsgruppe veröffentlicht seit 2016 jährlich eine systematische Übersichtsarbeit zu aktuellen Publikationen, die belegen, dass „weniger“ oft „mehr“ sein kann. Nun ist die Aktualisierung für das Jahr 2019 erschienen (2). Für die Untersuchung nutzten die Autoren zwei Datenbanken und [...]
Jg. 53, S. 31; Ausgabe 04 / 2019
Bei älteren Patienten steigt mit zunehmender Krankheitslast auch die Zahl der Arzneimittel, die sie einnehmen. Damit einher geht ein erhöhtes Risiko für Wechselwirkungen, Medikationsfehler und Nebenwirkungen, die bei älteren Menschen vermehrt auftreten (vgl. 1). Die Beers-Liste ist eine Auflistung von Arzneimitteln, die bei älteren Patienten (≥ 65 Jahre) potenziell ungeeignet sind, meist aufgrund der Nebenwirkungen [...]
Jg. 51, S. 95; Ausgabe 12 / 2017
Für die Langzeittherapie (Dauer ≥ 3 Monate) von chronischen, nicht tumorbedingten Schmerzen (CNTS) werden in Deutschland häufig opioidhaltige Analgetika eingesetzt. Ihre Verordnung hat in den letzten 20 Jahren kontinuierlich zugenommen (1, 2). Die längerfristige Wirksamkeit und Sicherheit von Opioiden in der Therapie von CNTS wird allerdings kritisch diskutiert (2, vgl. 3). In der deutschen S3-Leitlinie [...]
Jg. 51, S. 81; Ausgabe 11 / 2017
Zusammenfassung: Kopfschmerz sollte nach den Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS) differentialdiagnostisch abgeklärt werden. Migräne ist nach Spannungskopfschmerzen die häufigste Kopfschmerzdiagnose und auch ihr häufigstes neurologisches Symptom. Der Verlauf ist in der Regel episodisch, seltener chronisch. Bei der akuten Migräneattacke wirken nichtsteroidale Antirheumatika manchmal unzureichend, so dass ein Triptan erforderlich wird. Zur medikamentösen Prophylaxe der Migräne [...]
Jg. 51, S. 28; Ausgabe 04 / 2017
Kreuzschmerzen sind ein Symptom, keine definitive Diagnose. Viele Menschen leiden rezidivierend unter Kreuzschmerzen, z.B. ausgelöst durch einseitige physische Belastungen, oft auch durch zu langes Sitzen. Ob Kreuzschmerzen im Einzelfall durch eine entzündliche oder tumoröse Erkrankung verursacht sind, muss differentialdiagnostisch abgeklärt werden. R. Chou et al. aus den USA (1) haben kürzlich für das US-amerikanische College [...]
Jg. 49, S. 57; Ausgabe 08 / 2015
Zusammenfassung: Ein aktuelles Cochrane-Review zeigt, dass bei einer Nierensteinkolik nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID) analgetisch deutlich wirksamer sind als Plazebo oder Spasmolytika. NSAID (z.B. Diclofenac 100 mg rektal) sind etwa so stark wirksam wie Metamizol; jedoch ist Metamizol wegen des Risikos einer Agranulozytose nach unserer und nach Meinung der Autoren des Cochrane Reviews (4) nicht Mittel der [...]
Jg. 48, S. 85; Ausgabe 11 / 2014
Vor drei Jahren haben wir in einem Hauptartikel ausführlich und kritisch Stellung bezogen zum zunehmend inadäquaten Einsatz von Opioiden bei chronischen nicht tumorbedingten Schmerzen (1). Opioide werden dabei mitunter zu hoch dosiert und häufig zu lange ohne vorhandene Evidenz für ihren Nutzen verordnet. Die Assoziation von akzidenteller Überdosierung von Opioiden mit Letalität und Morbidität ist [...]
Jg. 48, S. 73; Ausgabe 10 / 2014
Zusammenfassung: Die Therapieergebnisse beim Restless-legs-Syndrom sind nach wie vor unbefriedigend. Vor einer medikamentösen Behandlung sollten zugrunde liegende Erkrankungen oder Mangelzustände erkannt und behandelt werden. Levodopa und Dopaminergika sind Mittel der ersten Wahl zur Besserung der Symptome. Bei höheren Dosen und bei Langzeitgebrauch ist unter Levodopa bei 30-60% und unter Dopaminergika bei 10% der Patienten mit [...]
Jg. 45, S. 65; Ausgabe 09 / 2011
Zusammenfassung: Zur Behandlung starker akuter und chronischer Schmerzen sind Opioide ein unverzichtbarer Bestandteil. Opioide unterscheiden sich in ihrer analgetischen Potenz, Pharmakokinetik und in ihren Applikationsformen. Bei eingeschränkter Nieren- und/oder Leberfunktion sollten solche Opioide gewählt werden, die weitgehend unabhängig von der Nieren- oder Leberfunktion abgebaut werden oder keine aktiven Metabolite haben, da es sonst zu erheblichen [...]
Jg. 44, S. 73; Ausgabe 10 / 2010
Zusammenfassung: Frauen haben meist eine geringere Körpermasse als Männer, eine andere Körperzusammensetzung, eine geringere renale Clearance und teilweise eine andere Metabolisierung von Arzneimitteln durch P450-Zytochrome und andere Enzymsysteme. In der Kardiologie müssen daher bei Frauen oft niedrigere Arzneimitteldosierungen gewählt werden. Auch geringere Krankheitsrisiken (z.B. bei Hypercholesterinämie) oder erhöhte Krankheitsrisiken (z.B. bei Diabetes mellitus) als bei [...]