Jg. 58, S. 67; Ausgabe 09 / 2024
Der Hype um die „Glucagon-like peptide 1 receptor“-Agonisten (GLP-1-A, Inkretin-Mimetika) ist ungebrochen: ihr „Off-label-use“ als „Abnehmspritze“ hat bereits zu globalen Versorgungsengpässen von Semaglutid geführt – zum Nachsehen von Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2. Es gibt kaum eine Erkrankung, bei der der Einsatz von GLP-1-A derzeit nicht in Studien untersucht wird. Wir haben zuletzt über Semaglutid bei Herzinsuffizienz [...]
Jg. 58, S. 68; Ausgabe 09 / 2024
Die Abschätzung des individuellen kardiovaskulären Risikos hat eine große Bedeutung bei der Entscheidung über die Intensität verschiedener präventiver Maßnahmen, besonders bei Personen, die bislang noch kein kardiovaskuläres Ereignis hatten. Statine sind in Deutschland in dieser präventiven Situation innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung derzeit ab einem 10-Jahres-Risiko > 20% „auf der Basis der zur Verfügung stehenden Risikokalkulatoren“ erstattungsfähig; [...]
Jg. 58, S. 70; Ausgabe 09 / 2024
Ein Akutes Nierenversagen (ANV) ist eine gefürchtete Komplikation im Rahmen von herzchirurgischen Eingriffen . Schon ein moderates ANV ist mit einer erhöhten Morbidität und Letalität assoziiert (; s. Tab. 1 zur Defintion der Schweregrade). Bei Patienten mit schwerem ANV ist ein Nierenersatzverfahren notwendig; dies ist mit einer Verlängerung des stationären Aufenthalts und einem starken Anstieg der Kosten [...]
Jg. 58, S. 71; Ausgabe 09 / 2024
Nach dem Cannabisgesetz steht nun ein weiteres Gesetzesvorhaben aus dem Hause Lauterbach an, welches von wenigen Lobbygruppen gefeiert und von fast allen Vertretern der rationalen und evidenzbasierten Medizin mit Kopfschütteln kommentiert wird. Es geht um eine Änderung des Fünften Buches des Sozialgesetzbuches mit dem putzigen Arbeitstitel „Gesundes-Herz-Gesetz“ (GHG), welches am 28.8.2024 vom Bundeskabinett beschlossen wurde [...]
Jg. 58, S. 72DB01; Ausgabe 09 / 2024
Frage von Dr. J.S. aus F.: >> Ein heute 25jähriger Mann leidet bereits seit dem 20. Lebensjahr an starkem Haarausfall. Nach verschiedenen Therapieversuchen hat er von einem Hautarzt 1 mg/d Finasterid verschrieben bekommen mit dem Hinweis, dieses Medikament bei Nebenwirkungen wieder abzusetzen. Es traten schon innerhalb weniger Woche Probleme mit der Libido auf und nach etwa 4 Monaten [...]
Jg. 58, S. 57; Ausgabe 08 / 2024
Schlaganfälle werden nach ihrer Pathogenese in fünf Subtypen differenziert (TOAST-Klassifikation; ): Arteriosklerose der großen Arterien; Kardioembolie; Verschluss kleiner Gefäße; Schlaganfall mit ungewöhnlicher anderer, definierter Ätiologie (z.B. Dissektionen, fibromuskuläre Dysplasie, Vaskulitis u.a.; Schlaganfall unbestimmter Ätiologie (ESUS = Embolic Stroke of Undetermined Source). Etwa 25% der Patienten mit akutem ischämischem Insult sind im Verlauf von einem Rezidiv betroffen, [...]
Jg. 58, S. 59; Ausgabe 08 / 2024
Wie in allen Industrienationen nehmen auch in Deutschland die Verordnungen von Antidepressiva (AD) seit Jahren kontinuierlich zu, besonders die der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI; z.B. Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin). Innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung haben die verordneten SSRI-Tagesdosen (DDD: Daily Defined Doses) zwischen 2013 und 2022 um 45% zugenommen, von 596 auf 860 Mio. . Zählt man 342 Mio. [...]
Jg. 58, S. 61; Ausgabe 08 / 2024
Wenn auch in einzelnen Indikationen in Frage gestellt (z.B. nach Myokardinfarkt: vgl. , , haben Betarezeptorenblocker (BB) weiterhin – teilweise auch wieder – einen hohen Stellenwert in der Behandlung einiger kardiovaskulärer Erkrankungen, wie z.B. Herzinsuffizienz, Tachyarrhythmie bei Vorhofflimmern (Vofli) und andere tachykarde Rhythmusstörungen, koronare Herzkrankheit, Aortenaneurysma/-dissektion. In der Behandlung der arteriellen Hypertonie wurden BB von den [...]
Jg. 58, S. 62; Ausgabe 08 / 2024
Patienten auf Intensivstationen (Intensive Care Unit = ICU) haben ein erhöhtes Risiko für Stress-bedingte gastrointestinale Blutungen (GIB); dabei findet man endoskopisch oft gar kein eigentliches Ulkus, sondern diffuse Blutungen aus der Schleimhaut (Erosionen). Anders als bei beatmeten Patienten ohne besonderes Blutungsrisiko besteht bei Schwerstkranken mit Organdysfunktion immer noch Unklarheit darüber, ob eine „Stressulkus-Prophylaxe“ hinsichtlich des [...]
Jg. 58, S. 64; Ausgabe 08 / 2024
In der Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED) haben sich in den letzten Jahrzehnten viele neue Optionen aufgetan. Als wirklicher Durchbruch haben sich die „Tumor Necrosis Faktor“ (TNF)-Inhibitoren (anti-TNF-Therapie) erwiesen; sie gelten immer noch als Erstlinien-Therapie bei CED. Jedoch gibt es Patienten, die nicht oder unzureichend auf die anti-TNF-Therapie ansprechen oder inakzeptable Nebenwirkungen entwickeln , , [...]
Jg. 58, S. 64DB01; Ausgabe 08 / 2024
Das „Oncology Center of Excellence“ (OCE) der „U.S. Food and Drug Administration“ (FDA) hat im September 2019 unter dem Namen Orbis ein Projekt initiiert, das regulatorische Entscheidungen im Zulassungsprozess neuer medikamentöser Krebstherapien vereinheitlichen und dadurch effizienter gestalten soll. Vorrangiges Ziel dieses Projekts war es, vielversprechende neue Arzneistoffe zur Behandlung ihrer Krebserkrankungen Patientinnen und Patienten rascher [...]
Jg. 58, S. 49; Ausgabe 07 / 2024
Zu den Hitze-assoziierten Gesundheitsstörungen und -erkrankungen zählen Kollapszustände durch Dehydratation und Blutdruckabfall, hypovolämische Organstörungen (Nieren, Haut, Schleimhäute, Bronchien u.a.), neurokognitive Störungen und die Hitzekrankheit mit erhöhten Kerntemperaturen des Körpers (Übersicht bei ). Eine Zusammenfassung von 32 Publikationen aus Notfalleinrichtungen rund um den Globus ergab, dass während Hitzeperioden v.a. akute Lungenerkrankungen (Exazerbationen von Asthma und COPD), kardiovaskuläre Störungen [...]
Jg. 58, S. 51; Ausgabe 07 / 2024
Anlässlich des vor kurzem in Deutschland in Kraft getretenen Cannabis-Gesetzes haben wir auf Nutzen und Gesundheitsrisiken von Cannabis-Produkten hingewiesen – soweit sie bisher bekannt sind . Cannabis dürfte einen gewissen therapeutischen Nutzen haben in der Tumor- und Schmerztherapie, bei chronisch entzündlichen Darm- und einigen neurologischen Erkrankungen, wie Multiple Sklerose und Epilepsie . Der Gebrauch von [...]
Jg. 58, S. 52; Ausgabe 07 / 2024
Polypharmakotherapie bzw. Multimedikation ist ein großes Dilemma der modernen Medizin (bevorzugte WHO-Definition: gleichzeitiger Gebrauch von fünf oder mehr Arzneimitteln; , ). Sie ist einerseits Folge einer konsequenten Umsetzung evidenzbasierter Empfehlungen, kann aber durch Akkumulation von unerwünschten Wirkungen, Interaktionen und Medikationsfehlern andererseits selbst zu einem beträchtlichen Risiko werden. Beides trifft ganz besonders auf ältere, multimorbide Patienten zu. [...]
Jg. 58, S. 54; Ausgabe 07 / 2024
Infektionen mit Neisseria gonorrhoeae (Gonorrhö) sind nach aktuellen Schätzungen der WHO weltweit die dritthäufigste sexuell übertragbare Krankheit . Bis zum Jahr 2022 gab es in Deutschland keine Meldepflicht für Gonorrhö, sodass bis dahin keine verlässlichen epidemiologischen Daten vorliegen. Nur im Bundesland Sachsen besteht seit 2001 eine Meldepflicht für den direkten Nachweis von Neisseria gonorrhoeae. Dort [...]